Wenn bei Ihnen eine Prostatabiopsie durchgeführt wurde, halten Sie später einen Pathology Report (Pathologischen Befund) in den Händen — ein Dokument, das zunächst wie eine fremde Sprache wirkt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie überwältigend das sein kann. In diesem Beitrag möchte ich Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Begriffe und Abschnitte führen, die häufig in einem Pathology Report nach Prostatabiopsie vorkommen. Mein Ziel ist, Ihnen Orientierung zu geben, damit Sie informiert und selbstbewusst mit Ihrem Behandlungsteam sprechen können. (Hinweis: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit kontaktieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt oder Pathologen.)

Warum der Pathology Report so wichtig ist

Der Pathology Report ist die Grundlage für Entscheidungen zur weiteren Behandlung. Er beschreibt, ob Krebs vorhanden ist, wie aggressiv er wahrscheinlich ist, wo er sitzt und wie viel Gewebe betroffen ist. Diese Informationen fließen in Empfehlungen zu Operation, Strahlentherapie, aktiver Überwachung oder weiteren Diagnostikmaßnahmen ein.

Aufbau eines typischen Pathology Reports

Ein Pathology Report kann je nach Institut unterschiedlich aussehen, enthält aber in der Regel folgende Abschnitte:

  • Patientendaten (Name, Geburtsdatum, Datum der Biopsie)
  • Material (z. B. Anzahl und Herkunft der Stanzzylinder: links/rechts, apikaler/basaler Bereich)
  • Mikroskopische Beschreibung (was der Pathologe unter dem Mikroskop sieht)
  • Diagnose/Diagnosen (z. B. Adenokarzinom der Prostata)
  • Gleason-Score / ISUP-Grading
  • Tumorvolumen/Prozent Tumor in den Zylindern
  • Perineurales/lymphovaskuläres Eindringen (falls vorhanden)
  • Kommentar oder Empfehlungen

Wichtige Begriffe und was sie bedeuten

Gleason-Score: Ein zentraler Begriff. Der Gleason-Score beschreibt das mikroskopische Muster des Tumors und besteht aus zwei Zahlen (z. B. 3+4=7). Die erste Zahl ist das vorherrschende Muster, die zweite das zweithäufigste. Je höher die Summe, desto aggressiver der Tumor. Seit einigen Jahren wird das Gleason-System mit dem ISUP-Grade ergänzt, das Grade von 1 bis 5 verwendet (ISUP 1 entspricht Gleason 6, ISUP 2 = Gleason 3+4, usw.).

ISUP-Grade: Internationales System zur Einstufung, oft als „Grade Group“ im Report zu finden. Es ist leichter zu interpretieren als die klassische Gleason-Summe und wird zunehmend standardmäßig verwendet.

Prozent Tumor/Anteil pro Biopsiezylinder oder mm Tumor: Pathologen geben oft an, wie viel des einzelnen Biopsiezylinders vom Tumor befallen ist — in Prozent oder in Millimetern. Diese Information hilft, das Tumorvolumen einzuschätzen. Beispiel: „3 mm/12 mm (25%)“ bedeutet, 3 mm von 12 mm Zylinderlänge sind tumorbefallen.

Perineurales Eindringen (perineural invasion): Tumorzellen, die entlang von Nervenfaserbahnen wachsen. Das Vorhandensein kann auf ein höheres Risiko für lokales Fortschreiten hinweisen, ist aber nicht automatisch eine Indikation für aggressive Therapie — es ist ein Faktor, der in der Gesamtschau bewertet wird.

Hormonrezeptor- oder Immunhistochemie-Angaben: Manchmal werden zusätzliche Färbungen beschrieben (z. B. PSA, PSAP, P504S / AMACR), um die Diagnose zu sichern oder zwischen benignen Veränderungen und Krebs zu unterscheiden.

Negative Biopsie / ASAP / HGPIN:

  • Negative Biopsie bedeutet, in den entnommenen Zylindern wurde kein Krebs gefunden — trotzdem kann ein versteckter Tumor vorhanden sein (Sampling-Limit), und weitere Kontrollen oder Wiederholungsbiopsie können empfohlen werden.
  • ASAP (Atypical Small Acinar Proliferation): Auffällige Veränderungen, die nicht eindeutig als Krebs klassifiziert werden können. Meist wird eine erneute Biopsie nach einigen Monaten empfohlen.
  • HGPIN (High-Grade Prostatic Intraepithelial Neoplasia): Präkanzeröse Veränderungen, die das Risiko für das Vorhandensein oder die Entwicklung eines Prostatakarzinoms erhöhen können.

Wie Sie den Report praktisch lesen — Schritt für Schritt

Ich gehe beim Lesen eines Pathology Reports immer so vor:

  • 1. Diagnose ganz oben suchen: Dort steht meist die Schlussdiagnose (z. B. „Prostatakarzinom, Gleason 3+4 = 7“). Das ist das wichtigste Ergebnis.
  • 2. Woher stammen die Proben? Prüfen, von welcher Seite und welchem Bereich die Zylinder kamen (links/rechts, Apex/Base). Das hilft zu verstehen, wo sich der Befund befindet.
  • 3. Anteil/Größe des Tumors: Wieviel Prozent oder mm pro Zylinder. Mehr befallene Zylinder + hoher Anteil = größeres Tumorvolumen.
  • 4. Gleason/ISUP anschauen: Notieren Sie sich das Grade Group — das ist die Grundlage für Therapieentscheidungen.
  • 5. Zusätzliche Angaben: Perineurales Eindringen, Lymphgefäßinvasion oder besondere Färbungen lesen.
  • 6. Kommentar des Pathologen: Manchmal gibt es einen erklärenden Abschnitt, der klinische Relevanz oder Unsicherheiten erläutert.

Beispiel-Tabelle: Was einzelne Kombinationen bedeuten können

Gleason / ISUP Typische Bedeutung Mögliche Therapieoptionen (in Kombination mit PSA, Bildgebung, Alter)
Gleason 3+3 = 6 / ISUP 1 Niedriges Risiko, langsam wachsend Aktive Überwachung, evtl. lokale Therapie bei Wunsch
Gleason 3+4 = 7 / ISUP 2 Geringer Anteil aggressiverer Zellen, intermediäres Risiko Therapieabwägung: OP, Strahlentherapie oder Überwachung je nach weiteren Faktoren
Gleason 4+3 = 7 / ISUP 3 Höhere Aggressivität als 3+4 Neigt zu aktiverer Behandlung (OP/Strahlung)
Gleason 8–10 / ISUP 4–5 Hohes Risiko, aggressiv In der Regel definitive Therapie + ergänzende Maßnahmen (z. B. Hormontherapie)

Tipps für das Gespräch mit dem Arzt

  • Bringen Sie den Report zu Terminen mit und bitten Sie Ihren Urologen oder Onkologen, jede Formulierung zu erklären. Fragen Sie konkret nach: „Was bedeutet ISUP X für mich?“ oder „Wie beeinflusst der Tumoranteil die Empfehlung?“
  • Notieren Sie sich Begriffe, die Sie nicht verstehen, und lassen Sie sie sich in Alltagssprache erklären.
  • Wenn unklar ist, woher die Proben stammen, fragen Sie nach einer Karte oder Schema der Biopsie — das hilft bei der Planung weiterer Therapie oder spezieller Schonung von Bereichen.
  • Bei Zweifeln können Sie eine Zweitmeinung eines anderen Pathologen oder eines zertifizierten Uro-Onkologen einholen. Viele Zentren bieten eine Re-Review an.

Weiterführende Schritte nach dem Report

Je nach Befund folgen oft weitere Maßnahmen: PSA-Verlaufskontrollen, multiparametrische MRT, CT/PSMA-PET bei Verdacht auf höhere Stadien, oder direkte therapeutische Empfehlungen. Auf meinem Blog As Bei Prostatakrebs (https://www.as-bei-prostatakrebs.de) finden Sie weitere Artikel zu aktiver Überwachung, OP-Techniken, Strahlentherapie und Nachsorge. Ich verlinke dort auch Patientenleitlinien und Empfehlungen, damit Sie verlässliche Quellen zur Hand haben.

Wenn Sie möchten, können Sie mir anonymisierte Formulierungen aus Ihrem Report schicken (ohne persönliche Daten) — ich helfe gern beim Übersetzen in klare Sprache oder gebe Hinweise, welche Fragen Sie beim nächsten Arzttermin stellen könnten.