Nach einer Prostataoperation stehen viele Männer und ihre Partner vor einer schwierigen Frage: Wie weiter mit der sexuellen Funktion? Aus eigener Erfahrung und aus dem Austausch mit Betroffenen weiß ich, wie verunsichernd das sein kann. In diesem Beitrag erkläre ich, wann eine Penisinjektionstherapie (intrakavernöse Injektion, ICI) oder ein Schwellkörperimplantat (Penisprothese) sinnvoll sein kann, welche Vor- und Nachteile es gibt und welche praktischen Aspekte Sie beachten sollten.
Warum überhaupt eine Therapie nach Prostatektomie?
Viele Männer erleben nach radikaler Prostatektomie eine erektile Dysfunktion, weil Nerven und Blutgefäße rund um die Prostata betroffen sein können. Bei einigen Patienten stellt sich mit der Zeit eine spontane Erholung ein; bei anderen bleibt die Potenz dauerhaft eingeschränkt. Mein Eindruck aus Gesprächen mit Patienten: Je früher man aktiv wird, desto besser sind oft die funktionellen und psychischen Ergebnisse. Rehabilitation der Schwellkörper durch regelmäßige Stimulation (medikamentös oder mechanisch) kann helfen, Fibrose (Verhärtung) und dauerhafte Schädigungen zu verringern.
Penisinjektionstherapie (ICI): Wann lohnt sie sich?
Die Penisinjektionstherapie bedeutet, dass ein Medikament direkt in den Schwellkörper gespritzt wird, um eine Erektion zu erzeugen. Gängige Wirkstoffe sind Alprostadil (Markenname z. B. Caverject), oft kombiniert mit Phentolamin und Papaverin in sogenannten Mix-Präparaten.
Ich empfehle die ICI insbesondere in folgenden Situationen:
Vorteile der ICI:
Nachteile und Risiken:
Schwellkörperimplantat: Wann ist eine Penisprothese die bessere Wahl?
Ein Schwellkörperimplantat ist eine Operation, bei der ein mechanisches Implantat in die Schwellkörper eingesetzt wird. Man unterscheidet in der Regel zwischen schlaffen (semirigiden) Implantaten und aufblasbaren (dreiteiligen) Implantaten wie den Marken AMS 700 oder Coloplast Titan. Ich habe viele Männer getroffen, die nach jahrelangem Kampf mit konservativen Methoden durch eine Prothese wieder ein normales Sexualleben führen konnten.
Typische Situationen, in denen ich ein Implantat empfehle:
Vorteile der Penisprothese:
Nachteile und Risiken:
Vergleich ICI vs. Implantat
| Penisinjektion (ICI) | Schwellkörperimplantat | |
|---|---|---|
| Invasivität | nicht-operativ | operativ |
| Wirksamkeit | hoch, dosisabhängig | sehr hoch, dauerhaft |
| Reversibilität | reversibel | irreversibel/operativ |
| Erhalt der Schwellkörperfunktion | kann helfen | kein Erhalt möglicher natürlicher Erektionsmechanismen |
| Wartung | regelmäßige Injektionen | einmalige OP, evtl. Ersatz nach Jahren |
Wann sollte man nicht warten?
Ich beobachte oft, dass Männer zu lange zögern—aus Scham, Angst vor Nebenwirkungen oder aus falscher Hoffnung, alles werde sich von selbst bessern. Frühzeitige Rehabilitation (z. B. mit PDE5-Hemmern, Vakuumpumpe oder ICI) kann die Chancen auf Wiederherstellung verbessern. Eine Penisprothese sollte in Erwägung gezogen werden, wenn konservative Maßnahmen über Monate bis Jahre keinen zufriedenstellenden Erfolg bringen und die Lebensqualität leidet.
Praktische Fragen, die Leser oft stellen
Wie schmerzhaft ist die ICI? Ich habe von vielen gehört, dass die initiale Angst größer ist als der tatsächliche Schmerz. Mit der richtigen Technik und adäquater Schulung lassen sich Injektionen meist gut durchführen.
Wie lange hält ein Implantat? Moderne Implantate halten oft viele Jahre; bei Bedarf können sie später ersetzt werden. Die Hersteller geben unterschiedliche mittlere Lebensdauern an; die Entscheidung hängt von Alter, Aktivitätsniveau und Risikoabwägung ab.
Was kostet das? In vielen Gesundheitssystemen werden sowohl ICI-Medikamente als auch Implantate (bei medizinischer Indikation) zumindest teilweise von der Krankenversicherung übernommen. Die Kostenstruktur variiert, darum ist ein Gespräch mit der Krankenkasse und dem behandelnden Urologen wichtig.
Psychosoziale Aspekte
Sexualität ist mehr als nur Erektion. Ich erlebe, wie entlastend ein offenes Gespräch mit dem Partner, Sexualtherapeuten oder einer Selbsthilfegruppe sein kann. Manche Paare finden neue Formen der Intimität, andere empfinden die mechanische Lösung durch eine Prothese als befreiend. Es ist legitim, Trauer, Wut oder Scham zu empfinden—und ebenso legitim, sich aktiv um Lösungen zu bemühen.
Wie treffe ich die Entscheidung?
Mein Rat: Holen Sie mehrere Meinungen ein, sprechen Sie offen mit Ihrem Urologen über Erwartungen und Lebensstil, probieren Sie – wenn möglich – konservative Optionen aus und lassen Sie sich bei Bedarf über Implantattypen, Operationsrisiken und Nachsorge informieren. Fragen Sie nach Erfahrungsberichten anderer Patienten, fragen Sie nach Reha-Programmen und nach Ansprechpartnern für psychologische Unterstützung.
Wenn Sie möchten, kann ich in einem weiteren Beitrag die genaue Technik der ICI, typische Dosierungsstrategien und praktische Tipps zur Vermeidung von Komplikationen beschreiben – oder Erfahrungsberichte zu verschiedenen Implantatmodellen zusammenfassen. Schreiben Sie mir gern Ihre Fragen oder Themenwünsche.