Nach einer Prostataoperation stehen viele Männer und ihre Partner vor einer schwierigen Frage: Wie weiter mit der sexuellen Funktion? Aus eigener Erfahrung und aus dem Austausch mit Betroffenen weiß ich, wie verunsichernd das sein kann. In diesem Beitrag erkläre ich, wann eine Penisinjektionstherapie (intrakavernöse Injektion, ICI) oder ein Schwellkörperimplantat (Penisprothese) sinnvoll sein kann, welche Vor- und Nachteile es gibt und welche praktischen Aspekte Sie beachten sollten.

Warum überhaupt eine Therapie nach Prostatektomie?

Viele Männer erleben nach radikaler Prostatektomie eine erektile Dysfunktion, weil Nerven und Blutgefäße rund um die Prostata betroffen sein können. Bei einigen Patienten stellt sich mit der Zeit eine spontane Erholung ein; bei anderen bleibt die Potenz dauerhaft eingeschränkt. Mein Eindruck aus Gesprächen mit Patienten: Je früher man aktiv wird, desto besser sind oft die funktionellen und psychischen Ergebnisse. Rehabilitation der Schwellkörper durch regelmäßige Stimulation (medikamentös oder mechanisch) kann helfen, Fibrose (Verhärtung) und dauerhafte Schädigungen zu verringern.

Penisinjektionstherapie (ICI): Wann lohnt sie sich?

Die Penisinjektionstherapie bedeutet, dass ein Medikament direkt in den Schwellkörper gespritzt wird, um eine Erektion zu erzeugen. Gängige Wirkstoffe sind Alprostadil (Markenname z. B. Caverject), oft kombiniert mit Phentolamin und Papaverin in sogenannten Mix-Präparaten.

Ich empfehle die ICI insbesondere in folgenden Situationen:

  • wenn orale PDE5-Hemmer (z. B. Viagra, Cialis) nicht wirken oder kontraindiziert sind,
  • wenn schnelle, zuverlässige Erektionen für den Geschlechtsverkehr gewünscht werden,
  • als konservative Reha-Maßnahme in der frühen Phase nach Operation, um die Schwellkörper durchblutung zu erhalten,
  • bei Männern, die eine Implantat-OP noch nicht wollen oder für die eine Operation ein hohes Risiko darstellt.
  • Vorteile der ICI:

  • hohe Wirksamkeit auch bei stark eingeschränkter Nervenfunktion,
  • keine Operation nötig, reversibel und individuell dosierbar,
  • relativ schnelle Wirkung (innerhalb von 5–20 Minuten).
  • Nachteile und Risiken:

  • Schmerzen bei der Injektion (gewöhnungsbedürftig, oft gut erlernbar),
  • Risiko einer Priapismus (zu lange Erektion) – dann ärztliche Behandlung erforderlich,
  • Hämatome oder lokale Irritationen,
  • psychische Hürde: viele Männer und Partner schrecken vor Selbstinjektion zurück.
  • Schwellkörperimplantat: Wann ist eine Penisprothese die bessere Wahl?

    Ein Schwellkörperimplantat ist eine Operation, bei der ein mechanisches Implantat in die Schwellkörper eingesetzt wird. Man unterscheidet in der Regel zwischen schlaffen (semirigiden) Implantaten und aufblasbaren (dreiteiligen) Implantaten wie den Marken AMS 700 oder Coloplast Titan. Ich habe viele Männer getroffen, die nach jahrelangem Kampf mit konservativen Methoden durch eine Prothese wieder ein normales Sexualleben führen konnten.

    Typische Situationen, in denen ich ein Implantat empfehle:

  • wenn konservative Therapien (PDE5-Hemmer, Vakuumpumpe, ICI) nicht ausreichend oder nicht tolerierbar waren,
  • wenn der Wunsch nach spontaner, zuverlässiger Erektion ohne Vorbehandlung im Vordergrund steht,
  • wenn aus anatomischen Gründen (starke Fibrose, Deformitäten) andere Methoden nicht funktionieren.
  • Vorteile der Penisprothese:

  • Dauerhafte, zuverlässige Lösung – hohe Zufriedenheitsraten bei Patienten und Partnern,
  • bei aufblasbaren Modellen gutes kosmetisches Ergebnis (bei Nichtgebrauch nicht sichtbar),
  • keine tägliche Medikation oder Injektionen notwendig.
  • Nachteile und Risiken:

  • Operation mit den üblichen Risiken (Infektion, Blutung, Implantatversagen),
  • bei Infektion kann das Implantat entfernt werden müssen,
  • eingeschränkte Möglichkeit, natürliche Erektionen wiederherzustellen; Implantat ist irreversibel in dem Sinne, dass es die Anatomie dauerhaft verändert.
  • Vergleich ICI vs. Implantat

    Penisinjektion (ICI)Schwellkörperimplantat
    Invasivitätnicht-operativoperativ
    Wirksamkeithoch, dosisabhängigsehr hoch, dauerhaft
    Reversibilitätreversibelirreversibel/operativ
    Erhalt der Schwellkörperfunktionkann helfenkein Erhalt möglicher natürlicher Erektionsmechanismen
    Wartungregelmäßige Injektioneneinmalige OP, evtl. Ersatz nach Jahren

    Wann sollte man nicht warten?

    Ich beobachte oft, dass Männer zu lange zögern—aus Scham, Angst vor Nebenwirkungen oder aus falscher Hoffnung, alles werde sich von selbst bessern. Frühzeitige Rehabilitation (z. B. mit PDE5-Hemmern, Vakuumpumpe oder ICI) kann die Chancen auf Wiederherstellung verbessern. Eine Penisprothese sollte in Erwägung gezogen werden, wenn konservative Maßnahmen über Monate bis Jahre keinen zufriedenstellenden Erfolg bringen und die Lebensqualität leidet.

    Praktische Fragen, die Leser oft stellen

    Wie schmerzhaft ist die ICI? Ich habe von vielen gehört, dass die initiale Angst größer ist als der tatsächliche Schmerz. Mit der richtigen Technik und adäquater Schulung lassen sich Injektionen meist gut durchführen.

    Wie lange hält ein Implantat? Moderne Implantate halten oft viele Jahre; bei Bedarf können sie später ersetzt werden. Die Hersteller geben unterschiedliche mittlere Lebensdauern an; die Entscheidung hängt von Alter, Aktivitätsniveau und Risikoabwägung ab.

    Was kostet das? In vielen Gesundheitssystemen werden sowohl ICI-Medikamente als auch Implantate (bei medizinischer Indikation) zumindest teilweise von der Krankenversicherung übernommen. Die Kostenstruktur variiert, darum ist ein Gespräch mit der Krankenkasse und dem behandelnden Urologen wichtig.

    Psychosoziale Aspekte

    Sexualität ist mehr als nur Erektion. Ich erlebe, wie entlastend ein offenes Gespräch mit dem Partner, Sexualtherapeuten oder einer Selbsthilfegruppe sein kann. Manche Paare finden neue Formen der Intimität, andere empfinden die mechanische Lösung durch eine Prothese als befreiend. Es ist legitim, Trauer, Wut oder Scham zu empfinden—und ebenso legitim, sich aktiv um Lösungen zu bemühen.

    Wie treffe ich die Entscheidung?

    Mein Rat: Holen Sie mehrere Meinungen ein, sprechen Sie offen mit Ihrem Urologen über Erwartungen und Lebensstil, probieren Sie – wenn möglich – konservative Optionen aus und lassen Sie sich bei Bedarf über Implantattypen, Operationsrisiken und Nachsorge informieren. Fragen Sie nach Erfahrungsberichten anderer Patienten, fragen Sie nach Reha-Programmen und nach Ansprechpartnern für psychologische Unterstützung.

    Wenn Sie möchten, kann ich in einem weiteren Beitrag die genaue Technik der ICI, typische Dosierungsstrategien und praktische Tipps zur Vermeidung von Komplikationen beschreiben – oder Erfahrungsberichte zu verschiedenen Implantatmodellen zusammenfassen. Schreiben Sie mir gern Ihre Fragen oder Themenwünsche.