Nach einer Prostatektomie war eine meiner größten Sorgen nicht nur die Frage nach Kontinenz oder Erektionen, sondern auch: Haben die Nerven, die wichtige Funktionen steuern, Schaden genommen? Früh erkannte Nervenschäden lassen sich oft besser behandeln oder zumindest gezielt überwachen. In diesem Text erkläre ich aus meiner Perspektive, welche frühen Anzeichen auf Nervenschäden nach einer Prostatektomie hinweisen können und welche Untersuchungen sinnvoll sind, um Klarheit zu bekommen.
Woran ich frühe Nervenschäden erkenne
Bei vielen Betroffenen äußern sich Nervenschäden zuerst subtil. Bei mir und vielen Betroffenen, mit denen ich gesprochen habe, waren die ersten Hinweise:
Wichtig ist: Nicht jede Reduktion der Empfindung ist ein dauerhafter Nervenschaden – oft gibt es postoperativ eine reversible Nervenreizung. Entscheidend ist die Dauer der Beschwerden (wenn sie über einige Wochen persistieren) und ob sie sich verschlechtern.
Erste Schritte: Wann ich den Arzt aufsuchen würde
Ich empfehle, frühzeitig mit dem operierenden Urologen zu sprechen, sobald die Symptome auffallen. Fragen, die ich im Gespräch stelle oder empfehlen würde zu stellen:
Welche Tests ich als sinnvoll erachte
Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die helfen, Nervenschäden objektiv nachzuweisen oder auszuschließen. Welche Tests notwendig sind, hängt von der Symptomatik ab. Ich liste hier die häufig genannten und meine Einschätzung dazu:
| Test | Was er misst | Wann er sinnvoll ist |
|---|---|---|
| Neurologische Untersuchung | Kraft, Reflexe, Sensibilität im Beckenbereich | Immer als erster Schritt |
| Bulbocavernosus-Reflex (BCR) | Reflexantwort der Beckenbodenmuskulatur bei Stimulation | Bei Sensibilitätsverlust oder Stuhlluft-/Stuhlinkontinenz |
| Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) | Funktion von Nerven und Muskeln (z. B. Pudendusnerv) | Bei Verdacht auf periphere Nervenschädigung |
| Quantitative Sensory Testing (QST) | Feinere Messung von Temperatur- und Berührungsempfinden | Wenn subtile Sensibilitätsveränderungen vorliegen |
| Penile Doppler / Duplex-Sonographie | Durchblutung des Penis, Hinweis auf vaskuläre Ursachen | Wenn Erektionsstörungen im Vordergrund stehen |
| Nocturnal Penile Tumescence (NPT) | Nachtschlafbedingte Erektionen (neural vs. vaskulär) | Zur Unterscheidung zwischen nervalen und vaskulären Ursachen |
| Psychometrische Fragebögen (z. B. IIEF) | Subjektive sexuelle Funktion | Zur Basislinie und Verlaufskontrolle |
Wie ich die Tests priorisieren würde
Ich würde in dieser Reihenfolge vorgehen:
Häufig arbeiten Urologen und Neurologen in solchen Fällen zusammen. Eine gezielte Überweisung spart Zeit.
Welche Spezialisten ich aufsuchen würde
Je nach Ergebnis sind folgende Fachrichtungen hilfreich:
Therapeutische Optionen, die ich in Erwägung ziehen würde
Früh erkannte Nervenschäden lassen sich oft besser beeinflussen. Optionen, die mir empfohlen wurden oder die ich recherchiert habe:
Wichtig ist für mich: In der Frühphase kann konsequente Therapie Rehabilitationschancen verbessern. Geduld und regelmäßige Kontrolle sind entscheidend.
Praktische Tipps für den Termin und die Nachsorge
Damit ich im Gespräch mit Ärzt:innen nichts vergesse, bereite ich Folgendes vor:
Abschließend ein Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie neue oder sich verschlechternde Sensibilitätsstörungen, starke Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen haben, sollten Sie zeitnah Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen. Ich begleite das Thema auf meinem Blog weiter und freue mich über Erfahrungen und Fragen von Betroffenen.